Die Kostenfrage ist fast immer der erste Einwand. Sobald das Thema KI in einer Behörde konkret wird, kommt die Frage nach dem Budget. Und meistens folgt gleich darauf die Vermutung, dass es teuer wird. Zu teuer.
Diese Vermutung ist verständlich, aber sie beruht oft auf einem Missverständnis. Viele stellen sich unter KI-Einführung ein Großprojekt vor: sechsstellige Budgets, externe Berater, monatelange Implementierung. Das kann so sein. Es muss aber nicht.
Dieser Artikel gibt eine ehrliche Kostenrechnung. Mit realistischen Spannen, mit Blick auf die versteckten Kosten, die gern vergessen werden, und mit einer Gegenrechnung, die genauso wichtig ist: Was kostet es, nichts zu tun?
| Hinweis: Die genannten Beträge sind Orientierungswerte auf Basis üblicher Marktpreise. Sie ersetzen kein konkretes Angebot und können je nach Anbieter, Behördengröße und Anwendungsfall deutlich abweichen. |
1. Die sichtbaren Kosten
Beginnen wir mit dem, was auf jeder Rechnung steht. Die sichtbaren Kosten sind die, an die man zuerst denkt, und sie hängen stark davon ab, welchen Weg eine Behörde wählt.
Software und Lizenzen
Bei Open-Source-Werkzeugen wie n8n, die on-premise betrieben werden, fallen keine Lizenzkosten an. Bei kommerziellen Automatisierungsplattformen oder KI-Diensten bewegen sich die Kosten je nach Umfang typischerweise zwischen 20 und mehrere hundert Euro pro Monat. Wer eigene KI-Modelle über Schnittstellen nutzt, zahlt nutzungsabhängig, oft im Bereich weniger Cent pro Vorgang.
Infrastruktur
Für On-Premise-Lösungen wird Hardware benötigt: ein Server, auf dem die Werkzeuge laufen. Je nach Anspruch reicht das von einem einfachen Server im niedrigen vierstelligen Bereich bis zu leistungsfähigerer Hardware, wenn eigene KI-Modelle lokal betrieben werden sollen. Wer auf eine EU-souveräne Cloud setzt, spart die Anschaffung und zahlt stattdessen laufende Betriebskosten.
Einrichtung und Ersteinrichtung
Die Einrichtung des ersten Workflows kostet vor allem Zeit. Wird sie extern vergeben, liegen Tagessätze für entsprechende Dienstleister meist zwischen 800 und 1.500 Euro. Ein einfacher erster Workflow ist oft in ein bis drei Tagen aufgesetzt. Wer es intern macht, tauscht Geld gegen Arbeitszeit, was zu den versteckten Kosten führt.
| Kostenposition | On-Premise | EU-Cloud |
| Lizenzen/Software | 0 € (Open Source) bis mittlere dreistellige €/Monat | Meist 20–300 €/Monat |
| Infrastruktur | Einmalig ca. 1.500–5.000 € | Im Monatspreis enthalten |
| Ersteinrichtung extern | 800–1.500 €/Tag, 1–3 Tage | 800–1.500 €/Tag, 1–3 Tage |
| Laufender Betrieb | Wartung intern | Anbieter übernimmt |
2. Die versteckten Kosten
Hier wird es interessant, denn diese Kosten stehen auf keiner Rechnung. Wer sie ignoriert, unterschätzt den tatsächlichen Aufwand und wird während des Projekts überrascht.
Interne Arbeitszeit
Der größte versteckte Posten. Prozesse dokumentieren, Workflows testen, Fehlerfälle durchdenken, mit dem Datenschutzbeauftragten sprechen, Kolleginnen und Kollegen einbinden. Das kostet interne Stunden, die nirgends als Ausgabe auftauchen, aber real gebunden werden. Für einen ersten Piloten sollte man realistisch mit mehreren Personentagen rechnen, verteilt über einige Wochen.
Datenschutzprüfung
Die Einbindung des Datenschutzbeauftragten, eventuell eine Datenschutz-Folgenabschätzung, die Aktualisierung des Verarbeitungsverzeichnisses. Bei einem einfachen, klar abgegrenzten Prozess ist das überschaubar und in wenigen Gesprächen erledigt. Bei komplexeren Vorhaben mit sensiblen Daten kann es aufwendiger werden. In beiden Fällen ist es Arbeitszeit, die eingeplant werden muss.
Wartung und Pflege
Ein Workflow ist kein Projekt, das man einmal abschließt. Er läuft weiter, und gelegentlich ändern sich die Bedingungen: eine Systemoberfläche wird umgebaut, ein Formular ändert sich, eine neue Anforderung kommt hinzu. Diese Pflege kostet punktuell Zeit. Wer das nicht einplant, steht irgendwann vor einem Workflow, der nicht mehr funktioniert und den niemand mehr versteht.
Schulung und Einarbeitung
Mitarbeitende, die mit den neuen Abläufen arbeiten, brauchen eine Einführung. Bei niedrigschwelligen Werkzeugen ist das eine Sache von Stunden, nicht von Wochen. Aber es ist nicht null, und es sollte nicht vergessen werden.
| Die versteckten Kosten sind der Grund, warum KI-Projekte scheitern, nicht die sichtbaren. Wer nur auf den Softwarepreis schaut, plant an der Realität vorbei. |
3. Eine realistische Beispielrechnung
Nehmen wir den Bewerbungsprozess aus der Kleingartenverwaltung, den ich in einem früheren Artikel als Automatisierungsbeispiel beschrieben habe. Ein überschaubarer, klar definierter Prozess, der sich gut als Erstprojekt eignet.
| Kostenposition | Realistische Spanne |
| Software (n8n, Open Source, on-premise) | 0 € |
| Server (einfach, ggf. vorhanden) | 0–2.000 € einmalig |
| Ersteinrichtung (intern, ca. 3–4 Tage Arbeitszeit) | Interne Zeit statt Ausgabe |
| Datenschutzprüfung (intern, wenige Gespräche) | Interne Zeit |
| Laufende Wartung | Punktuell, gering |
Die reinen Ausgaben für dieses Projekt können bei null liegen, wenn ein Server vorhanden ist und die Einrichtung intern erfolgt. Der eigentliche Aufwand steckt in der internen Arbeitszeit: geschätzt vier bis sechs Personentage für Dokumentation, Einrichtung, Test und Datenschutz. Dem steht eine jährliche Einsparung von 13 bis 20 Arbeitsstunden allein für diesen einen Prozess gegenüber.

4. Was es kostet, nichts zu tun
Diese Rechnung wird fast nie aufgemacht, und sie ist die wichtigste. Denn der Status quo ist nicht kostenlos. Er ist nur unsichtbar teuer.
Ein Sachbearbeiter, der pro Woche mehrere Stunden mit reiner Routinearbeit verbringt, kostet das Amt über ein Jahr gerechnet einen erheblichen Betrag an Arbeitszeit, die für wertvollere Aufgaben fehlt. Multipliziert man das über ein ganzes Team und über alle automatisierbaren Prozesse, ergibt sich schnell ein Vielfaches dessen, was eine Automatisierungslösung kosten würde.
Dazu kommen die Kosten, die schwerer zu beziffern sind: Fristversäumnisse durch Überlastung, Fehler durch Routine, unbesetzte Stellen, weil Fachkräfte fehlen, längere Bearbeitungszeiten, die Bürgerinnen und Bürger frustrieren. Diese Kosten stehen auf keiner Rechnung, aber sie sind real.
| Die Frage ist nicht: Können wir uns KI leisten? Die Frage ist: Können wir uns leisten, weiterzumachen wie bisher, während das Personal knapper und die Aufgaben mehr werden? |
→ Die vollständige ROI-Rechnung mit konkreter Formel: Wann lohnt sich Automatisierung in Behörden?
5. Wie man die Kosten klein hält
KI-Einführung muss nicht teuer sein. Wer ein paar Grundregeln beachtet, hält die Kosten überschaubar und das Risiko gering.
Klein anfangen
Ein einzelner, klar abgegrenzter Prozess kostet einen Bruchteil eines großen Digitalisierungsprojekts und liefert trotzdem ein messbares Ergebnis. Der erste Pilot sollte so einfach sein, dass er mit minimalem Budget und interner Arbeitszeit umsetzbar ist.
Open-Source-Werkzeuge nutzen
Für viele Automatisierungsaufgaben reichen kostenlose, quelloffene Werkzeuge, die on-premise betrieben werden können. Das spart Lizenzkosten und Löst gleichzeitig das Datenschutzthema, weil die Daten das Haus nicht verlassen.
Intern Kompetenz aufbauen statt nur einkaufen
Wer den ersten Workflow mit externer Unterstützung aufbaut, sollte darauf achten, dass internes Wissen entsteht. Der zweite und dritte Prozess lassen sich dann ohne externe Hilfe umsetzen. Das senkt die Kosten mit jedem weiteren Schritt.
Ergebnisse messen
Wer die eingesparte Zeit dokumentiert, hat nicht nur ein Argument für den nächsten Schritt, sondern auch eine Grundlage, um zu entscheiden, welche Investitionen sich lohnen und welche nicht.
Fazit
KI-Einführung in Behörden kann teuer sein, muss es aber nicht. Ein durchdachter erster Pilot mit Open-Source-Werkzeugen und internem Aufbau kann mit minimalen Ausgaben umgesetzt werden. Der eigentliche Aufwand liegt in der internen Arbeitszeit, und die ist gut investiert, wenn am Ende ein Prozess dauerhaft läuft, der vorher Woche für Woche Zeit gekostet hat.
Wichtig ist die ehrliche Rechnung: sichtbare Kosten, versteckte Kosten und die Kosten des Nichtstuns zusammen betrachten. Wer nur den Preis der Software anschaut, versteht weder den Aufwand noch den Nutzen.
Am Ende ist die Kostenfrage keine Frage des Budgets, sondern der Priorität. Die Mittel für KI sind oft schon da. Sie stecken nur in manuellen Prozessen, die niemand hinterfragt.
| Nächste Woche: Pillar Page 2 RPA & Automatisierung in Behörden – der komplette Praxisguide: das gesammelte Werkzeugwissen für alle, die konkret umsetzen wollen. Kein Artikel verpassen? Jetzt Newsletter abonnieren unter behoerde.ai. |
Weiterführende Artikel:
→ Wann lohnt sich Automatisierung in Behörden?
→ In 5 Schritten zur ersten KI-Automatisierung
→ Als Entscheider KI einführen – Von der Idee zur Umsetzung
| Über den Autor Simon arbeitet seit 2014 in der öffentlichen Verwaltung, unter anderem in der Ausländerbehörde, im Einwohnermeldeamt, im Büro der Stadtverordnetenversammlung und in der Kleingartenverwaltung. Parallel studiert er angewandte Künstliche Intelligenz.Auf behoerde.ai zeigt er, wie KI und Automatisierung in Behörden wirklich funktionieren: praxisnah, verständlich und ohne Buzzword-Bingo. |

